Rennbericht von der Challenge Kopenhagen
Meine Frau Annett und ich kamen am Freitagnachmittag an. Am Samstag versuchten wir, mit dem Auto die Radrunde abzufahren. Was sofort auffiel, waren die vielen Radfahrer in der Stadt und auf den Ausfallstraßen. Den Radfahrern wird hier Vorrang eingeräumt. Die Radwege sind meist genauso breit wie die Straßen. Alle 500m gibt es einen Radladen. Vor den Geschäften sind fest installierte Druckluftpumpen für die vorbeifahrenden Radpulks vorhanden.
Und viele Läufer. ÜBERALL wird gejoggt. In der Fußgängerzone oder in den Stadtparks hat man jederzeit den Eindruck, hier finden offizielle Volksläufe statt.
Leider war die offizielle Radstrecken- Karte zu ungenau und wir haben uns mehrere Male verirrt. Die Straßen durchs Hinterland sind so schmal und verwinkelt, die Dörfer und Gutshöfe so lieblich, dass man sich in einen Rosamunde Pilcher Film versetzt fühlt. Ich freute mich schon darauf, hier den Wettkampf bestreiten zu dürfen.
Zum Wettkampf:
Das Schwimmen bei 17,4 Grad Wassertemperatur in der Badelagune im Süden der Stadt lief gut: 1:02:44.
Bei Sonnenschein und knapp 19° C ging’s auf die traumhafte Radstrecke. 40km auf flacher Straße zuerst durch die Innenstadt und am Öresund entlang. Dann der winklige Teil durchs Hinterland. Es lief super. Bei KM 90 hatte ich 2:25h auf dem Tacho. Und das, obwohl ich mich stark zurückgehalten habe, um keine Rückenschmerzen wie sonst zu bekommen. Außerdem wollte ich endlich mal einen guten Marathon laufen. Ich hatte noch richtig viel Power und erhöhte den Druck. Bei ca. KM 130 der Schock. Ein Race-Marshall forderte mich und zwei andere auf abzusteigen. Angeblich Windschattenfahren. Über 4 Stunden hatte ich keinen Schiedsrichter gesehen, viele Teilnehmer fuhren unbekümmert im Windschatten. In den engen Ortsdurchfahrten fährt man häufig mal auf den Vordermann auf und muss sich dann zurückfallen lassen. Das hat der Marshall wohl nicht so gesehen. Wir durften 30s warten und dann weiterfahren. Mein Rhythmus war jedoch weg. Zudem nahm der Wind zu. Also hat es mal wieder nicht mit einer Zeit unter 5h geklappt: 5:04:37.
Ich freute mich richtig auf den Marathon. Die 10h Marke war drin. In 4 Runden läuft man entlang der Hafenpromenade auf und ab. Immer die Top-Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen im Blick und 100 000 frenetische Zuschauer (gefühlt waren es noch mehr). Ich muss sagen, das hat die Strecke in Regensburg nochmal getoppt. Die Dänen sind einfach sportverrückt! Aber nach den ersten beiden Kilometern bekam ich Magenkrämpfe, die ich den Rest des Rennens nicht in den Griff bekam. Nach hartem Kampf bin ich dann doch überglücklich auf die Zielschleife abgebogen. Dass dann ein 276. Platz herausspringt und eine Zeit von 10:20 h hat mich noch mehr gefreut. Kopenhagen werde ich definitiv nochmal machen. Zudem hat mich die große Zahl der freiwilligen Helfer begeistert, die stundenlang den Athleten immer mit einem Lächeln Getränke und Gels reichten. Das Rennen hat das Potential, ein ganz Großes in Europa zu werden!
Notiz am Rande: Ich habe keinen Muskelkater und keine Blasen. Die Magenprobleme kamen wohl von den Energieriegeln, die es auf der Radstrecke gab. Cocosflocken vertrage ich im Wettkampf einfach nicht, aber die Inhaltsstoffe konnte man auf der unbedruckten Verpackung nicht erkennen.
Ich danke allen, die mir die Daumen gedrückt und sich auf den Rennbericht gefreut haben. Viel Erfolg bei den restlichen Wettkämpfen, den Läufen oder einfach beim Erholen.
Tobias Sebald
Rennbericht von der Challenge Kopenhagen



