Gerhard Schmutzler in Immenstadt am Start
In diesem Jahr wollte ich wieder einmal eine etwas längere Distanz finishen
und habe mich für Immenstadt entschieden, was sicherlich auch an den etwas
moderateren Startgeld lag. Also erst mal angemeldet und dann die
Ausschreibung gelesen. Langdistanz WM, verdammt harte Radstrecke, wenn man
die Höhenmeter betrachtet aber nur 130 km lang. Im 4 km Schwimmen sah ich
kein wirkliches Problem und 30 km hinten raus laufen sollte machbar sein.
Was ich aber gestern erleben sollte war aber schon grenzwertig und hat mich
mental doch sehr gefordert.
Leider hatte ich schon in der Vorwoche leichtes Unwohlsein und auch beim
Wetter (das hat ja jeder selber gemerkt) das große Los gezogen. Sau heiß,
nach kalter Vorwoche!
Samstag war Anreise und ich konnte nur ganz kleine Mahlzeiten zu mir nehmen.
Irgend wie wollte der Magen nicht so recht.
Am nächsten morgen, nach ausgiebigen Frühstück von zwei Semmeln ging es
los, im großen Alpsee. Das internationale Flair einer WM war schon deutlich
zu spüren.
Ich bin ganz gut weggekommen. 2 km rausschwimmen und 2 km zurück sollten mir
auch keine Probleme bereiten. Wenn nicht nach etwa 1 km der Magen sich zu
Wort gemeldet hätte. Wende um die Boje war kein Problem, die schnellsten
waren weg und ich schwamm als alleiniger Verfolger (wie so oft in der
Saison) hinterher. Zurück war die Orientierung sehr schwer, da man durch die
aufgehende Sonne nicht mal das Ufer, geschweige denn das Ziel sehen konnte.
Und wieder machte der Magen zu und krampfte sich zu einer Faust. Ich denke
mal der enge Neo hat da schon mal einiges verhindert. Endlich an Land hatte
ich bei der Suche des Wechselbeutels keine Probleme, nur der Aufschwung aufs
Rad hätte beinahe fatal geendet, das ich vom Sattel auf das Hinterrad
gerutscht bin. Ein paar fette Reifenspuren am Oberschenkel und ein paar
blaue Flecken waren aber zu verkraften. Nach 4 km Schwimmen ist die
Koordination nicht mehr die beste!
Dann ab auf die Radstrecke. Wer Wiesbaden schon gemacht hat und denkt es
geht nicht härter, der hat sich mehr als getäuscht. Man hatte keinen Moment
der Ruhe, oder des geradeaus Rollens. Anfangs gleich mal extrem Bergauf
durch Menschenmassen (Roth läst grüßen) und dann durch herrliche Landschaft.
Anfahrten mit über 90 km waren schon ein Nervenkitzel, die aber keine
Unachtsamkeiten verziehen hätten. Nach 30 km und nach etlichen Bergauf und
ab musste ich vom Rad. Zu groß war der Druck auf dem Magen und Darmbereich
gelegen. Wieder aufs Rad und weiter. Eigentlich hätte ich schon längst essen
müssen aber die Zuführung von fester Nahrung verweigert der Körper sofort.
Na toll! So habe ich mich erst mal mit trinken weitergehangelt. Innerlich
habe ich da schon mal mit dem Wettkampf abgeschlossen. In Oberstaufen, die
Wende der ersten großen Radrunde bei ca. 45 km wollte ich vom Rad. Nach
unten ging es in einer verrückten Abfahrtgeschwindigkeit. Mein Körper hatte
sich etwas erholt und so beschloss ich die Abfahrt wieder zurück zu radeln.
Jetzt schauste mal wie es in Immenstadt geht und entscheidest dann weiter,
so mein Plan.
Bei km 65 hatte ich dann noch eine etwas heikle Situation mit einem
englischen Kollegen zu überstehen, der zwar auf der richtigen Seite fuhr,
dafür aber bei ca. 70 km zum Überholmanöver ansetzte und mich in der Kurve
schnitt. Ich musste ganz schön rudern um nicht in den Gegenverkehr
hineingetragen zu werden.
In Immenstadt wollte ich dann entgültig mein Rad abstellen, da ich unterwegs
wieder eine Zwangspause einlegen musste. Was ich oben trank, kam hinten
wieder raus. An essen war gleich gar nicht zu denken. Aber irgend wie muss
ich wohl verkehrt abgebogen sein und ich bin in die zweite Runde. Die
Temperaturen waren mittlerweile hochsommerlich und brannten mir durch den
offenen Anzug ein schönes Muster in den Rücken. An höchster Stelle ging dann
bei mir gar nichts mehr. Wiegetritt ging nicht, da krampften die
Oberschenkel, das war nicht mehr feierlich. Im Sitzen ging es zwar Vorwerts,
aber so langsam, das ich fast umgefallen wäre (kleines Blatt vorne und
großes hinten wohl gemerkt) 20 km vor dem Ziel war schicht im Schacht.
Nichts geht mehr, sagte der Körper, weiter sagte der Kopf, immer weiter du
Memme!!! Und irgend wie bin ich dann doch wieder nach Immenstadt gekommen
und in die zweite Wechselzone.
Das Auwaldstadion war rand voll. So ein Mist, aufhören geht nicht, das sehen
ja alle und der Kopf sagt eh weiter. Also rein in die Laufschuhe. Keine
Knieschmerzen (wie in der Vorbereitung) und die Laufmuskulatur war auch
nicht so stark beansprucht worden, so das ich (nach einen Toilettengang, was
sonst) mich auf den Weg gemacht habe. Mitten durch die Innenstadt, wieder
zurück durch herrliche Auen am Fluss entlang. 3 Runden a´10 km. Die erste
war unterbrochen durch einen nochmaligen Toilettengang und mehreren
Gehpausen um es bis dorthin zu schaffen. Heftiger Durst plagte mich, aber
die Flüssigkeitsaufnahme wurde immer schwieriger und mir drehte sich jedes
Mal der Magen um. An Essen war eh nicht mehr zu denken! Ich glaube ab Ende
der ersten Runde war überleben angesagt und dem verdammten Schweinehund habe
ich wieder eins auf die Mütze gegeben. Die Toilettengänge wurden weniger,
leer ist nun mal leer.
Die letzte Runde wurde, nach dem Motto schlimmer geht wohl nimmer, nochmals
zu absoluten Nagelprobe für Geist und Körper. Jetzt krampften die Beine.
Krämpfe an der Schienbeinaußenseite hat man auch nicht alle Tage und wie in
Gotte Namen dehnt man dagegen um nicht woanders einen Krampf zu bekommen!
Dann endlich das Ziel!
Zeit egal, Platzierung egal, Finishen war wichtig und absolut geil!!! Die
Strecke besiegt, es gibt nichts schöneres!!! So intensiv habe ich einen
Zieldurchlauf noch nie erlebt, auch wegen dem fantastische Publikums!!!
Dann habe ich versucht zu trinken was unmöglich war. Krampf auf Krampf
folgte und ich musste wohl oder übel das Rotkreuzzelt aufsuchen. Dort wurde
mir dann wirklich übel und ich bin gerade noch so auf eine Trage gefallen.
Laufen war nicht mehr!
Drei Liter Infusionsflüssigkeit mit einer Ampulle Magnesium und ich war
wieder fähig alleine Aufzustehen.
Ein Absolut neue Erfahrung für mich! ..........die ich aber nicht so oft
erleben will!
Heute ist wieder alles im Lot, keinerlei Muskelkater und ein paar Kilo
leichter versuche ich meinen Körper wieder an feste Nahrung zu gewöhnen.
In diesem Sinne wünsche ich allen die noch Wettkämpfe haben tolle
Zieleinläufe und den anderen Triathleten eine erholsame Pause!
Gerhard
Gerhard Schmutzler in Immenstadt am Start



